Gold auf dem Prüfstand: Abgeltungssteuer, Spekulationsfrist und ist Gold als Anlage überhaupt tauglich?

Gold hat als Anlageklasse einige wesentliche Nachteile. Es erwirtschaftet weder Zinsen noch irgendwelche anderen laufenden Erträge und verspricht langfristig eine reale Rendite (nach Abzug der Inflation) von ungefähr null. Zumindest steuerlich bietet es aber auch einige Vorteile. Zum einen unterliegt es wie andere Edelmetalle auch nicht der Abgeltungsteuer. Und zum anderen wird auf Anlagegold in Form von Barren oder Münzen auch keine Mehrwertsteuer fällig – diesen Vorteil hat das gelbe Edelmetall exklusiv. Und doch lauert bei der der Investition in Gold die eine oder andere Steuerfalle. Darauf hat nun der Bundesverband Deutscher Banken hingewiesen.

Der Verband rät Privatanlegern, die angesichts des erneuten Höhenflugs des Goldpreises in den vergangenen Woche Kasse machen und ihre Goldbarren oder Goldmünzen mit Gewinn verkaufen wollen, in jedem Fall die Spekulationsfrist zu beachten. Diese Frist beträgt ein Jahr. Das heißt: Wenn zwischen Erwerb und Verkauf weniger als zwölf Monate liegen, dann ist der Veräußerungsgewinn grundsätzlich einkommensteuerpflichtig und muss entsprechend in der Steuererklärung angegeben werden. Er wird dann mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert. Eine Ausnahme von dieser Regel wird den Angaben des Bankenverbandes zufolge gemacht, wenn die jährliche Freigrenze von 600 Euro nicht überschritten wird. Wahren Anleger eine Mindesthaltefrist von einem Jahr, ist der Verkauf von Goldbarren und Goldmünzen dagegen grundsätzlich steuerfrei.

Die Besteuerung von Gold-ETCs ist etwas komplizierter

So weit, so schön. Komplizierter wird das Ganze, wenn Anleger über einen ETC wie das beliebte Xetra-Gold investieren wollen, der den Wertpapierinhabern einen Anspruch auf physische Lieferung einräumt: Seit Jahren befassen sich Gerichte mit der Frage, ob die Produkte der Abgeltungsteuer zu unterwerfen sind (wie Wertpapiere) oder ob Gewinne steuerfrei vereinnahmt werden können – zumal dann, wenn Anleger tatsächlich von der Möglichkeit Gebrauch machen, sich echtes Gold nach Hause liefern zu lassen. Wenn ich die letzten Wendungen richtig mitbekommen habe, sieht es derzeit wohl wieder ganz gut für Anleger und Anbieter aus. Das letzte Wort allerdings dürfte in der Angelegenheit längst noch nicht gesprochen sein. Anleger sollten daher im Auge behalten, dass physisch besicherte Gold-ETCs als Anlageform sicher viele Vorteile haben – etwa hohe Flexibilität und vergleichsweise niedrige Kosten. Steuerlich kann der Direktkauf dagegen mitunter vorteilhafter sein – oder zumindest einfacher.

Studie: Gold ist als Geldanlage untauglich

Ich finde den Wahn ums liebe Gold ja schon lange schwachsinnig. Umso interessanter finde ich eine kleine Studie der Thallos Vermögensverwaltung (Disclaimer: Der Laden ist mir völlig unbekannt, und ich habe keine Ahnung, wie seriös er ist), die den Mythos Gold ein bisschen entzaubert. Zitat: „Wenn Sie aber darauf hoffen, mit Gold Geld zu verdienen, langfristig eine Performance zu erzielen – oder auch nur langfristig einen Werterhalt zu haben, dann ist eine Investition in Gold ziemlich sicher die falsche Entscheidung.“

Der Mythos vom Gold als sicherer Geldanlage

Eines der Ergebnisse: Die Kurse der Edelmetalle sind starken Schwankungen unterworfen. So liegen die Kursschwankungen (die Volatilität als Maß der Schwankungen um den Mittelwert) von Gold seit 1972 der Studie zufolge bei 53,49 Prozent. Die anderen Edelmetalle in der Studie verhielten sich noch volatiler. Den Vogel schoss Rhodium mit einer Volatilität von 114,72 Prozent ab.

Doch damit nicht genug: Die Autoren der Studie vermerken auch, dass die Volatilitäten sich über die Zeit verändern. Über den gesamten Zeitraum betrachtet erscheint Gold als das am wenigsten riskante Edelmetall, in den vergangenen Jahren hat sich das aber geändert. Zwischen 2004 und 2009 lag die Volatilität von Gold bei 34,61 Prozent, die von Platin dagegen nur bei 24,21 Prozent. Auch die übrigen untersuchten Edelmetalle waren weniger volatil – mit Ausnahme von Rhodium.

Gold als eine sichere Sache? Geht so.

Die langfristige Wertentwicklung von Gold

Ein mindestens ebenso großes Problem ist aber die Tatsache, dass Gold keinerlei zuverlässige Erträge erbringt. Wer 1979 in Gold investiert hat, kann sich heute zwar über eine jährliche Rendite von 4,84 Prozent freuen. Inflationsbereinigt schmilzt die Rendite aber schnell dahin. Berücksichtigt man den Wertverlust durch die Geldentwertung, dann bleibt nämlich nur eine Jahresrendite von 0,78 Prozent übrig.

Hinzu kommt: Alle oben genannten Zahlen beziehen sich auf den Goldkurs in US-Dollar. In Euro sehen die Zahlen noch schlechter aus – weil der Dollar in den vergangenen Jahrzehnten gegenüber DM und Euro kräftig an Wert verloren hat.

Der Einfluss der Wechselkursschwankungen auf die Rendite von Gold

Zitat aus dem Thallos-Blog: „1972 musste man für einen Dollar 3,48 DM oder 1,779 EUR bezahlen. Heute muss man für einen Dollar noch 0,6702 EUR bezahlen. Respektive ist ein Dollar nominal noch 0,67 EUR wert.“

Währungs- und inflationsbereinigt hätten Anleger daher mit Gold seit 1972 sogar etwa 12 Prozent Verlust eingefahren. Klingt nicht toll, oder? Zugegeben: Über 20, 10 oder 5 Jahre sieht die Rechnung deutlich besser aus. Aber eine derart schlechte Wertentwicklung über einen Zeitraum von 37 Jahren sollte Gold-Anhängern gründlich zu denken geben – selbst wenn der Zeitraum fürs Gold ungünstig gewählt sein sollte.

Klar: Über die Tauglichkeit von Gold als Notnagel in einer schweren Systemkrise sagt eine solche Studie nichts aus. Aber auch zum Zweck der Überlebenssicherung beim Beinahe-Weltuntergang scheinen mir Konservendosen, Schnaps und Ackerland irgendwie besser geeignet.

2 comments

  1. Hab mich auch mal sehr gewundert, dass der Kauf von physischem Gold und der Verkauf nach einem Jahr nicht offiziel mit einer Abgeltungssteuer belegt ist. Denke Banken und dem Staat ist dies aber allgemein nicht so recht, da er diese Ströme nicht nachvollziehen kann.
    Denke die Spekulation mit Rohstoffen ist sowieso für viele Klein / Gelegenheitsanleger nichts. Man sollte Gold, wenn dann zur absicherung oder aus langfristigen Motiven kaufen. Der Rat des Bankenverbands jetzt wegen ein paar Dollar Kursgewinn zu verkaufen ist.. naja… 😉

  2. Richtig ist, Gold bringt keine Zinsen und schwankt auch schon mal. Richtig ist aber auch, daß das Gold, welches ich vor 3 Jahren gekauft habe, seitdem jedes Jahr um mindestens 10 Prozent im Wert gestiegen ist. Das reicht mir doch schon, -zumindestens bis zum Ende der Wirtschaftskrise, welches ich noch lange nicht sehe….

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