Die Korrelation von Anleihen – untereinander und mit Aktien

Als möglicherweise geeignete Bestandteile des Anleihenportfolios kristallisierten sich von der Bundesrepublik oder anderen Ländern der Eurozone emittierte Staatsanleihen, inflationsindexierte Anleihen, Pfandbriefe, Unternehmensanleihen und Schwellenländer-Anleihen heraus.

Problematisch ist allerdings, dass wir (oder ich zumindest) über das tatsächliche Verhalten vieler Anleihen noch immer ziemlich wenig wissen. Viele in der Literatur dokumentierten Erkenntnisse beziehen sich auf US-Wertpapiere, und zu manchen Anleihetypen kenne ich bisher praktisch gar keine Literatur.

Korrelationsmatrix zeigt das Verhalten der Anleihen zueinander

Also habe ich einfach mal eine kleine eigene Korrelationsmatrix erstellt, die zeigt, wie sich die verschiedenen Anleihetypen in den vergangenen drei Jahren zueinander und zum Aktienmarkt verhalten haben. Die eingefügte Tabelle stellt die Korrelationskoeffizienten dar (bitte Anklicken zum Vergrößern).

Korrelationsmatrix

Die Koeffizienten stammen aus eigenen (Openoffice-)Berechnungen auf Basis der Monatsrenditen verschiedener ETFs und des Markit iBoxx € Liquid Corporates TR, für den ich keinen thesaurierenden ETF mit einer genügend langen Geschichte finden konnte.

Nun sind die Koeffizienten allein sicher nicht genug, um zu sagen, inwiefern die Anleihen geeignet sind oder nicht. Aber interessant finde ich sie allemal.

Staatsanleihen, Pfandbriefe, Unternehmensanleihen – ein Überblick

  • Staatsanleihen: Euroland-Staatsanleihen sind in der Korrelationsmatrix gleich dreimal vertreten – durch einen ETF, der das gesamte Laufzeitprofil abbilden soll („Euro-Anl.“), und außerdem durch zwei ETFs, die nur längere Laufzeiten abbilden („15plus“ und „25plus“). Grundsätzlich zeigt sich das zu erwartende Bild: Euro-Staatsanleihen sind mit dem Aktienmarkt negativ korreliert. Die ETFs untereinander wiederum sind sehr stark positiv korreliert. Welcher der drei ETFs nun für den Anleihenteil eines Passiv-Depots besser geeignet ist, lässt sich anhand der Tabelle allerdings nicht sagen.
  • Inflationsindexierte Anleihen: Als Grundlage diente ein ETF, der die Entwicklung inflationsindexierter Euroland-Staatsanleihen abbildet. Auf den ersten Blick werden auch europäische inflationsindexierte Anleihen den Empfehlungen gerecht: Sie scheinen gut geeignet zur Diversifikation eines Portfolios aus Aktien und Anleihen – wenn sie auch mit allen anderen Anlageklassen (leicht) positiv korreliert sind. Das ist im Übrigen ein Unterschied zu us-amerikanischen TIPS: Diese weisen assetcorrelation.com zufolge eine negative Korrelation mit dem Aktienmarkt auf.
  • Schwellenländer-Staatsanleihen: Grundlage für die Untersuchung dieses Segments war der Emerging Markets Liquid Eurobond Index (EMLE) bzw. der zugehörige ETF von DB X-Trackers. Auf den ersten Blick sind auch Schwellenländer-Anleihen zur Diversifikation geeignet. Allerdings ähnelt ihre Entwicklung offenbar eher der des Aktienmarktes als der anderer Anleihen. Das dürfte auch für die Volatilität gelten. Dass Schwellenländer-Anleihen für den Stabilisierungsteil des Portfolios geeignet sind, lässt sich daraus sicher nicht ableiten.
  • Pfandbriefe: In der Diskussion über den Stabilisierungsteil gab es weder überzeugende Argumente für noch gegend die Aufnahme von Pfandbriefen ins Depot. Die Korrelationsmatrix liefert aber ein gutes Argument – und zwar für Pfandbriefe. Sie sind negativ korreliert mit Aktien und Schwellenländer-Anleihen, und auch mit Euroland-Staatsanleihen korrelieren sie nicht perfekt. Grundlage ist hier ein ETF, der die Entwicklung deutscher Pfandbriefe abbildet.
  • Unternehmensanleihen: Für Investmentgrade-Unternehmensanleihen konnte ich keinen thesaurierenden ETF finden, dessen Kurs-Historie drei Jahre zurückreicht. Ich habe deshalb direkt die Daten des Index iBoxx € Liquid Corporates Overall genommen. Das Ergebnis ist interessant: Unternehmensanleihen weisen schwach positive Korrelationen mit allen anderen untersuchten Anlageklassen auf. Am stärksten ist die Korrelation mit Pfandbriefen und Schwellenländer-Anleihen. Unternehmensanleihen bleiben also interessant.

Um wirklich Aussagen über die Eignung des einen oder anderen Anleihentyps zur Diversifikation eines Portfolios aus Aktien und Staatsanleihen treffen zu können, muss man definitiv noch genauer hinschauen – und beispielsweise auch prüfen, wie sich das Verhalten des gesamten Portfolios verändert, wenn man Pfandbriefe oder Unternehmensanleihen hinzufügt. Ich werde mich demnächst mit meinen bescheidenen Mitteln auch mal daran machen. In den nächsten Wochen bin ich allerdings anderweitig ausgelastet, so dass sich hier erst mal nichts tun wird.

Datenquellen sind übrigens Ariva (für die ETFs) bzw. Markit (für den Index). Basis für die Berechnungen sind die Monatsschlusskurse seit Anfang 2008.

2 comments

  1. zunächst einmal ein großes Kompliment für diese Seite, die Beiträge gehören für mich seit einigen Monaten zum (immer sehnlich erwarteten) Lesestoff.
    Zum Thema Korrelation habe ich eine eher grundsätzliche Frage: Ist ein sehr stark negativer Korrelationskoeffizient zwischen zwei Depotbestandteilen für die Geldanlage denn überhaupt wünschenswert? Immerhin kann man bei einem Wert von -1 ebenfalls von vollständiger Korrelation sprechen. Dieser Wert würde anschaulich bedeuten, dass man bei Gewinnen mit einem Bestandteil auf jeden Fall mit dem anderen Verluste macht. Gleichzeitige Gewinne mit beiden Bestandteilen sind so nicht möglich. Man erhält dann doch auf jeden Fall nur eine kleine Gesamtrendite.
    Meiner Ansicht nach müsste es sinnvoller sein, eher auf den Betrag des Korrelationskoeffizienten zu schauen, wie es ja in technischen und statistischen Methoden auch oft gemacht wird. Der minimale Wert von 0 bedeutet dann, dass die beiden Zufallsprozesse unkorreliert sind; besser kann es doch nicht werden, oder? Beide Anlageklassen entwickeln sich dann völlig unabhängig voneinander.
    Sagt denn die hier oft zitierte Literatur etwas über die negativen Korrelationskoeffizienten aus?

  2. Man könnte dem geneigten Anleger beinahe folgendes empfehlen: Kaufe mit der einen Hälfte Deines Geldes Aktien (MSCI World & MSCI Emerging Markets) und mit der anderen Hälfte in Euro notierende Staatsanleihen und Pfandbriefe. Rebalanciere dann, wenn sich die Anlagen unterschiedlich entwickelt haben und tu’ ansonsten – nichts.
    Wer so verführe, hätte wohl vieles richtig, zumindest aber nichts wirklich falsch gemacht.
    Gruß vom KLEINANLEGER

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