Die Korrelation zwischen Aktien und Rohstoffen wird sinken

Haben Rohstoffe ihre Rolle als diversifizierendes Element in Portfolios in den vergangenen Jahren eingebüßt? Nein – sagen zumindest die Analysten von Julius Bär und ergänzen damit sehr schön die Diskussion, die in den vergangenen Wochen ohnehin schon auf dieser Website geführt wurde. Die Analysten gestehen in ihrem „Commodity Weekly“ zwar ein, dass Rohstoffe sich in jüngerer Zeit ungewöhnlich stark im Gleichklang mit Aktien bewegt haben, führen dies aber auf Sonderfaktoren zurück – und erklären zugleich, dass der Syrienkonflikt ein gute Beispiel für die Diversifikationsvorteile der Anlageklasse sei. Schließlich seien die Korrelationen zuletzt bereits wieder gesunken.

Den Julius-Bär-Experten zufolge gibt es vor allem drei Gründe, die für Rohstoffinvestments sprechen: das Renditepotenzial der Anlageklasse, ihre Eigenschaft als Schutz vor Inflation und eben die Diversifikationsvorteile, die sich dadurch ergeben, dass Rohstoffe in der Vergangenheit häufig niedrig oder sogar negativ mit dem Aktienmarkt korreliert waren. Allerdings ändern sich Korrelationen im Zeitverlauf. Und das hat neben Holger Grethe und William Bernstein offenbar auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bewogen zu erklären, es gebe keine Basis für die populäre Meinung, dass Rohstoffe das Risiko eines Portfolios senken könnten. Vielmehr führe der wachsende Rohstoffappetit von Investoren zu volatileren Portfolios.

Die ökonomischen Rahmenbedingungen führten zur erhöhten Korrelation

Die Analysten der Schweizer Bank allerdings widersprechen: Die hohen Korrelationen zwischen Aktien und Rohstoffen in den vergangenen Jahren seien nicht vorwiegend durch die Bewegungen von Anlagekapital verursacht worden. Vielmehr seien dafür vor allem die globalen ökonomischen Rahmenbedingungen verantwortlich gewesen. Die Konjunkturprogramme nach der Großen Rezession, die Schuldenkrise in der Eurozone und nicht zuletzt die Furcht vor einer harten Landung der chinesischen Konjunktur hätten allesamt dazu beigetragen, die Korrelationen hoch zu halten.

Grafik: 30-Tage-Korrelation der 1-Tages Preisveränderungen zwischen dem DJ-UBS Commodity Index (Spot) und dem S&P 500

Quelle: Bloomberg, Julius Bär

Dennoch habe es zwischendurch immer wieder Ereignisse gegeben, die zu sinkenden Aktienkursen und zugleich steigenden Rohstoffkursen geführt hätten – etwa der Arabische Frühling im Jahr 2011,  der jüngste Syrienkonflikt, aber auch Wetterereignisse wie die Trockenheit in den USA im vergangenen Jahr.

Niedrigere Korrelation, niedrigere Rendite?

Künftig dürften die Korrelationen Julius Bär zufolge auch insgesamt wieder niedriger bleiben. Die Analysten machen dafür das Ende des auslaufenden „Commodity Supercycle“ verantwortlich. Dieses werde dazu führen, dass die Rohstoffmärkte wieder so heterogen und volatil würden wie in den 1980er- 1990er- und frühen 2000er-Jahren. Die Rolle der klassischen Einflussfaktoren auf die Rohstoffpreise – Währungsschwankungen, Wirtschaftswachstum, technologische Entwicklungen, Inflation, unvorhergesehene Ereignisse – dürfte dadurch gestärkt werden.

Nur positiv ist die Julius-Bär-Prognose für Investoren allerdings auch nicht – schließlich sehen die Experten auch nachlassende Unterstützung für die Rohstoffpreise und damit einhergehend ein eher ungemütliches Klima für Buy-and-Hold-Anleger voraus. Es könnte also durchaus sein, dass künftig wieder wenig über die Korrelationseigenschaften von Rohstoffen gesprochen wird und dafür mehr über die Renditechancen, die sie bieten – oder eben nicht.

One comment

  1. Hallo,
    die Korrelationen zu Aktien haben sich im Zeitverlauf verändert bzw. verstärkt, wobei man auch sagen muss, dass speziell in Krisenjahren die Rohstoffe dennoch eine gute “Hedgefunktion” erfüllt haben. Außerdem sollte man meiner Ansicht nach auch die Anleihen nicht ausser Acht lassen (die vermutlich Bestandteil eines jeden Portfolios sind). Soweit ich eine aktuelle Studie im Kopf habe hat sich die Korrelation von Rohstoffen zu Anleihen im Gegensatz zu Aktien verbessert (schwächer korreliert). Also sind Rohstoffe durchaus noch eine interessante und lohnenswerte Beimischung aus meiner Sicht. Diversifikationseffekte bestehen nach wie vor und dazu braucht man Rohstoffe nicht stark gewichten, zwischen 10-15% wäre ein gutes Maß.
    Und was Prognosen betrifft… diese sind wie immer und überall an den Kapitalmärkten mit Vorsicht zu genießen.

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