Rebalancing – wie oft ist sinnvoll?

Fragen an Suchmaschinen, Antworten von mir: So kann eine sinnvolle Rebalancing-Strategie aussehen

Beim Durchstöbern der Suchbegriffe, über die Besucher auf diese Website gestoßen sind, springen mich immer wieder interessante Themen an. Und, so traurig das auch ist: Hin und wieder kommt es vor, dass es zu diesen Themen (noch) keine befriedigenden Informationen in diesem Blog gibt. Eine neue Serie mal kleinerer, mal größerer Artikel soll das ändern. Heute geht es um: „rebalancing wie oft“.

Ja – wie oft soll man nun Rebalancings durchführen, also die verschiedenen Anlageklassen in seinem Portfolio wieder zurück in die einmal festgelegte Gewichtung bringen? Mit dieser Frage haben sich schon viele kluge Leute befasst, zum Beispiel William Bernstein und Gerd Kommer.

William Bernsteins Tipps zum Rebalancing des Portfolios

William Bernsteins Empfehlung zur Rebalancing-Frequenz bauen auf Erkenntnissen über die positive Autokorrelation von Kursbewegungen im Zeitverlauf auf. Übersetzt für Statistik-Laien wie mich heißt das: Sie berücksichtigen empirische Befunde, denen zufolge die Kursbewegung einer Aktie von heute Einfluss auf die Kursbewegung von morgen hat. Dieser Effekt ist auch unter dem zugänglicheren Namen „Momentum“ bekannt: Wenn der Aktienmarkt heute steigt, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass er auch morgen steigen wird. Oder zumindest: ein kleines bisschen höher als die Wahrscheinlichkeit, dass er sinkt. Solche Effekte lassen sich offenbar über Monate hinweg beobachten.

Bernsteins Schlussfolgerung für Anleger: Wer auf Kapitalgewinne Steuern zahlen muss, ignoriert die Effekte, die sich durch die positive Autokorrelation der Kursbewegungen ergeben, einfach. Und wer keine Steuern zahlen muss, sollte auch nicht zu häufig an seinem Depot herumspielen: Es ist kontraproduktiv, wenn die Zeit zwischen den Rebalancings zu kurz ist – schließlich kommt man damit dem Momentum in die Quere.

Allerdings: Über längere Zeiträume ist kein Momentum mehr feststellbar, die positive Autokorrelation verschwindet. Anleger sollten laut Bernstein ihr Rebalancing-Intervall so wählen, dass es kein Momentum mehr gibt. Im Klartext: Zwischen den Rebalancings sollte mindestens ein Jahr liegen.

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich diesen Gedankengang wirklich nachvollziehen kann. Selbst wenn man keine Steuern zahlt – sollten Transaktionskosten nicht eine wichtigere Rolle spielen als eine empirisch festgestellte Autokorrelation, die erstens nur 4 Prozent der Kursbewegungen erklären und sich zweitens über die Zeit hinweg ja auch ändern kann? Und besteht die Gefahr, dass man gegen einen sich in die Zukunft fortsetzenden Trend rebalanciert, nicht auch bei Rebalancing-Intervallen von einem Jahr und mehr?

Die Rebalancing-Empfehlungen von Gerd Kommer

Gerd Kommer geht die Sache weniger kompliziert an – auch wenn das nicht notwendig heißt, dass ich ihm in allen Punkten folgen kann. Ich habe in der 2003er-Auflage von „Souverän investieren“ eine Stelle gefunden, an der er von Rebalancing-Intervallen zwischen 18 und 36 Monaten spricht – und zwei Stellen, an denen er 12 bis 24 Monate empfiehlt. Begründung? Eher keine. Dafür noch ein nicht unwichtiger praktischer Hinweis: Ein Rebalancing kann auch durch laufende Neuanlagen geschehen, die in die schwächelnden Teile des Depots investiert werden.

Meine Herangehensweise an das Rebalancing-Problem

Auch ich beherzige diesen letzten Hinweis: Wenn ich neues Geld zum Anlegen habe, dann nutze ich das zum Ausgleich von Portfolio-Ungleichgewichten. Erleichtert wird das dadurch, dass ich fast ausschließlich auf Ausschüttende Wertpapiere- und Festgeldanlagen setze. So ergibt sich das Rebalancing fast von selbst.

Außerdem denke ich, dass man nicht sklavisch einmal im Jahr rebalancen sollte, so lange nicht eine bestimmte Anlagegrenzen überschritten werden – so lange also nicht die tatsächliche Allokation beispielsweise um 5 Prozentpunkte von der Zielallokation abweicht. Solche Schwellen sind Bestandteile der meisten wissenschaftlichen Studien zum Thema.

Ganz praktisch betrachtet ist das auch sinnvoll – wie groß kann der Rebalancing-Effekt schon sein, wenn die Abweichung von der Zielallokation lediglich einen Prozentpunkt beträgt?

Also: „rebalancing wie oft“? Kommt drauf an, würde ich sagen. In der Praxis dürfte auch der völlige Verzicht auf ein festes Intervall eine sinnvolle Strategie sein – wenn man sich stattdessen an festen Anlagegrenzen orientiert (und diese nicht zu eng fasst – dann wird nämlich zu häufig rebalanciert).

2 comments

  1. Wenn ich David Swensen richtig verstehe, empfiehlt er in seinem Buch “Erfolgreich investieren”, auch unterjährig zu rebalancieren.
    Er verdeutlicht dies am Beispiel der Periode Juli 2002 bis Juni 2003, in dem der US-Aktienmarkt (gemessen am Wilshire 5000) nur um 1,3% gestiegen sei, man jedoch durch unterjähriges Rebalancing wegen der stark schwankenden Aktien eine Rendite von 8,8% habe erzielen können (aaO, S. 277 ff).
    In mir wächst nach und nach die Überzeugung, dass “starre” Rebalancing-Intervalle nicht sinnvoll sind – und man stattdessen einfach auf ein hinreichendes prozentuales Abweichen von der Zielallokation abstellen sollte. Wenn es drei Jahre dauert, dann hat man in der Zwischenzeit Transaktionskosten erspart. Wenn es nur drei Wochen dauert, dann kann man die Chancen nutzen, die einem die hohe Volatilität der Asset-Bewertung bietet.
    Im Nachhinein (ja ja, ich weiß, nachher ist man immer schlauer) hätte ich in der Subprime- und Finanzkrise nicht nur ausharren, sondern stärker rebalancieren sollen. Insbesondere als Ende 2008 die Aktien abstürzten und die Staatsanleihen haussierten, hätte man einen Grundstein für spätere Gewinne legen können.
    Naja, vielleicht beim nächsten Mal….
    Viele Grüße vom KLEINANLEGER

  2. Hallo,
    super, dass der ursprüngliche Artikel nochmals aufgegriffen wurde und näher darauf eingegangen wird. Ihre Praktik konnte man sich zwar damals schon aus den Kommentaren mehr oder weniger ableiten, aber dennoch ein schöner Artikel.
    Wenn jetzt noch in einem weiteren Eintrag auf die Fragestellung eingegangen werden könnte, welcher Eurozonen Staatsanleihen ETF eine gute Alternative zum im Arero genutzten Index ist, wäre ich glücklich. Die zwei Einträge zum Thema Staatsanleihen fand ich schon sehr interessant, aber konkrete Alternativen und Möglichkeiten zu dieser Fragestellung wären noch spannender. 🙂

Comments are closed.